Bundesliga

Final4-Stars im Interview Dang Qiu (Borussia Düsseldorf): „Jeder ist nur ein Mensch – und man kann gegen jeden gewinnen“
Dang Qiu steht mit Rekordsieger Borussia Düsseldorf beim Liebherr TTBL Final4 in Frankfurt (30./31. Mai) im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Im Interview spricht der Europameister von 2022 über die Freundschaft zu Spitzenspieler Benedikt Duda vom Halbfinalgegner TTC Schwalbe Bergneustadt, die Brisanz eines möglichen Finalduells mit Superstar Fan Zhendong vom 1. FC Saarbrücken-TT und den Erfolgsdruck für sein Team nach zwei ungenutzt gelassenen Titelchancen.
Dang Qiu, zu Monatsbeginn die Mannschafts-WM in London, Mitte Mai die Champions-League-Endrunde in Saarbrücken und nun als Höhepunkt das Liebherr TTBL Final4 vor der Brust. Wie gestaltet sich für Borussia Düsseldorf und Sie die Vorbereitung für das entscheidende Turnier um die Meisterschaft?
Die Vorbereitung gestaltet sich eigentlich wie immer. Wir trainieren in Düsseldorf, bereiten uns individuell ein wenig vor. Wir machen dazwischen auch immer ein bisschen Pause, weil es momentan einfach viele Highlights und viele intensive Wettkämpfe sind. Eigentlich ist es schade, dass wir so wenig Zeit haben, uns auf solche Highlights vorzubereiten, aber es ist nun einmal heutzutage sehr schnelllebig im Tischtennis, dementsprechend ist die Vorbereitungszeit nicht lange, und deswegen muss man sie gut und intensiv nutzen.
Der Rückenwind durch das Abschneiden Ihrer Mannschaften sowohl in London als auch in Saarbrücken dürfte sich in Grenzen halten. Wie wurden die beiden Turniere aufgearbeitet?
Der Rückenwind ist überschaubar, aber ich denke jetzt nicht, dass jeder Einzelne von uns oder der Verein selbst sich in irgendeiner Weise verstecken muss. Wir haben eine hervorragende Saison gespielt bislang, sind in der regulären Saison Erster geworden, haben auch in London – jeder individuell gute Siege gehabt. Es geht einfach immer weiter, jeder Tag ist neu, jedes Event ist neu, und ich fühle mich persönlich auch nicht schlecht, sondern eher gut, und freue mich, wieder ein Highlight spielen zu können.
Ihr Klub geht als beste Mannschaft der regulären Saison ins Final4. Lässt sich daraus etwas für das Turnier ableiten?
Ich denke nicht, dass die reguläre Saison viel Aussagekraft hat, weil in der Saison auch nicht immer alle komplett gespielt haben. Das wird also kein großer Faktor sein, aber natürlich hatten wir dadurch die Möglichkeit, uns einen Gegner für das Halbfinale auszusuchen.
Düsseldorf hat seinen neuen Bonus für den Hauptrunden-Sieger für die Wahl des TTC Schwalbe Bergneustadt als Gegner für das Halbfinale genutzt. War dafür nur ausschlaggebend, dem großen Titelfavoriten 1. FC Saarbrücken-TT aus dem Weg zu gehen?
Es ist ein Vorteil für uns, dass wir uns einen Gegner aussuchen konnten. In erster Linie aber war das Ziel dabei wohl wirklich, dem auf dem Papier großen Favoriten 1. FC Saarbrücken-TT aus dem Weg zu gehen.
Sie sind persönlich gut mit Bergneustadts Topspieler Benedikt Duda befreundet. Für den Fall eines direkten Duells: Welche Gedanken kommen in solchen Situationen auf?
Ja, tatsächlich bin ich gut mit „Benne“ befreundet, und wir hatten auch schon etliche Duelle gegeneinander. Ich denke, dass nun jeder von uns beiden unterschiedlich damit umgehen wird. Am Ende ist es ein Wettkampf. Privates bleibt außerhalb der Box, und man muss versuchen, das für eine gewisse Zeit auszublenden und sich nur auf das Spiel zu fokussieren.
Anders als im früheren Play-off-Modus „Best of three" wird das Halbfinale in Frankfurt in einem Spiel entschieden, hat also auch eine Art Pokal-Charakter. Kann sich dadurch Düsseldorfs unerwartet frühes Aus in der diesjährigen Pokal-Saison im Viertelfinale beim TTC OE Bad Homburg mit einigen Monaten Verspätung noch als hilfreich für das Mindset erweisen?
Den K.o.-Charakter kennen wir tatsächlich aus dem Pokal oder dem Final Four in der Champions League und sind ihn mehr oder weniger gewohnt, da geht es auch direkt um die Wurst, da kann man nicht noch erst abwarten, was passiert. Natürlich geht da auch der Heimvorteil alles weg, aber damit müssen jetzt alle Vereine und Spieler klarkommen. Es ist aber ja auch nicht so, dass es das vorher noch nicht gegeben hätte.
Düsseldorf hat in der regulären Saison beide Spiele gegen Bergneustadt gewonnen. Welche Bedeutung hat das für das Halbfinale?
Wir haben zwar wirklich beide Saisonspiele gegen Bergneustadt gewonnen, aber auch das darf man nicht zu hoch bewerten, weil Bergneustadt einfach eine brandgefährliche Mannschaft ist, unsere beiden Siege nur hauchdünn waren und alles für uns gelaufen ist. Deswegen dürfen wir uns nicht einfach sagen, dass wir das Halbfinale auch schon wieder gewinnen werden, denn jedes Spiel ist einzigartig und beginnt wieder von vorne. Darum müssen wir auf jeden Fall wieder 100 Prozent geben.
Für Außenstehende gelten Ihre Borussia und Saarbrücken als Favoriten für den Einzug ins Endspiel. Wandern die Gedanken schon manchmal zu einem solchen „Traumfinale"?
Nein, auf keinen Fall. Beide Teams müssen erst einmal ihre Halbfinals gewinnen, und erst dann kann man an das Finale denken und auf die möglichen Spiele schauen.
In der Konstellation eines Endspiels gegen Saarbrücken steht Ihren Borussen auf der anderen Seite Ihr künftiger Klubkollege Fan Zhendong als Saarbrücker Superstar gegenüber. Für wen ist die Situation schwieriger?
Ich glaube, jeder ist Profi genug, um das gut einschätzen und auch trennen zu können. Das wird von uns auch erwartet, und das haben wir auch schon oft geschafft. Letztlich muss auch jeder individuell damit umgehen.
Fan Zhendong hat im Champions-League-Finale beide Einzel gegen die Lebrun-Brüder Felix und Alexis verloren. Wie nimmt man solch eine überraschende Nachricht als Konkurrenz vor einem möglichen Duell auf?
Es ist natürlich eine kleine Überraschung gewesen, aber andererseits auch irgendwie nicht. Denn Felix und Alexis sind jetzt ja auch keine unbekannten Gesichter in der Tischtennis-Welt, sie spielen beide fantastisch, haben eine unglaublich gute Entwicklung durchlaufen und sind unfassbar stark. Aber generell zeigt es ja einfach auch nur, dass Tischtennis eben Sport ist, jeder nur ein Mensch ist, und man gegen jeden gewinnen kann – sonst wäre es ja auch langweilig.
Für Düsseldorf ist Frankfurt die letzte Gelegenheit in der laufenden Saison auf einen Titel, Saarbrücken muss mit einer enormen Erwartungshaltung umgehen. Für welche Mannschaft ist der Druck höher?
Wir werden in jedem Fall noch einmal alles geben, um den Titel zu gewinnen. Die Favoritenrolle aber liegt in meinen Augen auf jeden Fall bei Saarbrücken aufgrund des Kaders, den sie haben. Aber natürlich muss jede Mannschaft an ihr Limit gehen, um am Ende vielleicht den Titel zu holen. Aber es beginnt alles natürlich erst einmal mit dem Halbfinale, deshalb ist das auch erst einmal für uns das wichtigste Spiel.
Vielen Dank für das Gespräch, Dang Qiu.
Florian Manzke








